Auch wenn die Entwicklung derzeit nicht ganz so dynamisch verläuft wie in den Vorjahren: Der Bestand an Elektrofahrzeugen wächst überproportional. Zum 1. Januar 2024 waren in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt 1,4 Millionen batterieelektrische Pkw (BEV) gemeldet, fast 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Ihr Anteil am Gesamtbestand hat sich hierzulande in nur zwei Jahren von 1,27 auf 2,87 Prozent mehr als verdoppelt. EU-weit wuchs der Bestand an Elektro-Pkw allein 2022 um zwei Millionen Fahrzeuge an. Und in China, dem wichtigsten Automobilmarkt der Welt, kommen jedes Quartal fast zwei Millionen BEV und Plug-in-Hybride hinzu, der EV-Bestand hat die 15-Millionen-Grenze längst überschritten.
„Obwohl die technische Sicherheit von Elektroautos für viele Verbraucher:innen einen zentralen Faktor für den Umstieg darstellt, existiert nach wie vor keine regulatorische Vorgabe für die Hauptuntersuchung von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen“, konstatiert Jennifer Baumann, Projektmanagerin in unserem Strategie-Team Mobilität. „Aktuell beschränken sich unsere Prüfer:innen auf Sichtprüfungen. Sie checken Kabelverbindungen, den Unterfahrschutz, die weniger stark beanspruchten Bremsen.“
Als Mitglied von CITA und FSD arbeiten wir an Vorschlägen für die HU der Zukunft mit
Das soll sich nun ändern, denn die EU plant eine Erweiterung ihres Roadworthiness Package, das drei EU-weit gültige Richtlinien zur Verkehrssicherheit von Fahrzeugen zur Implementierung in die nationalen Gesetze beinhaltet. Dieses Paket liefert immer auch Anhaltspunkte für die Vorgaben zur Hauptuntersuchung (HU) in der STVZO. Gemeinsam mit anderen namhaften Prüforganisationen arbeiten wir der CITA mit, dem International Motor Vehicle Inspection Committee. Ein Whitepaper mit Empfehlungen für die Weiterentwicklung der HU hat die CITA kürzlich den EU-Regulierungsbehörden übergeben.
Zudem sind wir in Arbeitsgruppen der Fahrzeugsystemdaten GmbH vertreten. Die FSD ist als zentrale Stelle nach StVG für die Entwicklung der Hauptuntersuchung verantwortlich und treibt in dieser Funktion auch die nationale Umsetzung der Regularien für alle Prüforganisationen in Deutschland voran.
Automobilhersteller sind gefordert, Zugang zu E-Komponenten zu gewähren
Der Kernpunkt darin lautet, dass bei einer Hauptuntersuchung (HU) auch die elektrische Sicherheit von Hochvolt-Komponenten geprüft werden muss, insbesondere durch die Messung von Isolationswiderständen und Potenzialausgleich. „Dazu sind erstens physische Schnittstellen erforderlich, an denen unsere Prüfer:innen ihre Messspitzen ansetzen können. Zweitens müssen die Automobilhersteller über die OBD-Schnittstelle relevante Daten des Batteriemanagementsystems zur Verfügung stellen“, betont Jennifer Baumann. Ein weiteres Problem ist die zunehmende Verkapselung des Unterbodens bei E-Fahrzeugen, was eine Sichtprüfung sowohl der spannungsführenden Hochvoltkabel aber auch der Bremsleitungen verhindert. Hier wären Revisionsklappen für eine Sichtprüfung der sicherheitsrelevanten Bauteile sinnvoll. Klar ist: Die Vorkehrungen für eine sinnvolle ePTI erfordern eine Anpassung der Typprüfvorschriften.
E-Fahrzeuge müssen neutral geprüft werden, nicht über Herstellersysteme
Unsere Prüfstellen wiederum benötigen neues Equipment wie Multimeter und unsere Prüfprofis werden ihre Kompetenzen um Hochvolt-Kenntnisse erweitern. Dazu entwickeln wir momentan ein professionelles Ausbildungskonzept, das auch die Aspekte Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit und Umwelt (HSE) umfassend abdeckt.
Wie eine ePTI in Zukunft aussehen könnte und welche Geräte am effizientesten arbeiten, soll jetzt ein Praxisversuch an mehreren unserer Prüfstellen zeigen. „Die teilnehmenden Prüfer:innen berichten über typische Defekte, das Handling verschiedener Messgeräte, die Erreichbarkeit von Messpunkten und vieles mehr. Diese Erfahrungen spielen wir auch an die CITA zurück“, so Jennifer Baumann.
„Für uns als Prüforganisation, der Unternehmen und Endverbraucher:innen weltweit vertrauen, zählt für die ePTI vor allem eins: Wichtig ist, dass die elektrische Sicherheit von neutraler Seite bewertet wird und nicht über fahrzeugeigene Systeme“, unterstreicht sie.
Für weitere Informationen zu dem Thema stehen Ihnen unsere Expert:innen jederzeit gerne zur Verfügung! Schreiben Sie uns eine Mail mit dem Betreff „ePti”.